
„Die einzige Form zu lernen, besteht in der Begegnung.”
Martin Buber, „Das dialogische Prinzip”
Die natürliche Sprache gehörloser Menschen ist die Gebärdensprache. Sie ist ein vollständiges System von sprachlichen Zeichen, die Gedanken visualisieren und damit die Basis allen sozialen Handelns bilden. Die Gebärdensprache ist die einzige menschliche Sprache, die Schatten wirft.
Das Anliegen von Schattensprache ist es daher, diese faszinierende Sprachkultur aus dem „gesellschaftlichen Schatten“ ins Licht der Öffentlichkeit zu rücken, um Aufklärung zu leisten und Offenheit für eine sprachliche Minderheit zu bewirken. Vorurteile sollen aufgelöst und Verhaltensdispositionen geändert werden. Schattensprache möchte der hörenden Gesellschaft einen Zugang zur Erlebniswelt Gehörloser ermöglichen. Den Ausgangspunkt bildet die konkrete Lebenssituation gehörloser Menschen.
In der Ausstellung findet ein Rollentausch statt: Hörende Menschen werden herausgelöst aus sozialer Routine und gewohnter Rezeption und entdecken ihr Repertoire an nonverbalen Ausdrucksmöglichkeiten, um mit Mimik, Gestik und Motorik kreativ zu kommunizieren. Gehörlose Menschen, die aufgrund ihrer Sprachkompetenz und Lebenserfahrung kommunikativ überlegen sind, unterstützen sie und werden zu Botschaftern einer Kultur ohne Geräusche, die keineswegs ärmer – aber anders ist.
Gehörlose Menschen werden innerhalb von Schattensprache nicht „zur Schau gestellt“ oder als Exoten „vorgeführt“. Schattensprache ist keine Installation, die Gehörlosigkeit simuliert. Schattensprache bildet eine Plattform, auf der sich hörende und gehörlose Menschen interessiert begegnen und bereit sind, gesellschaftliche Muster zu überdenken und Vorurteile abzubauen.
Das Publikum kann innerhalb von Schattensprache in die stille Welt gehörloser Menschen eintauchen, um eine Annäherung an eine fremde Lebensrealität zu wagen. Folgende Inhalte können der hörenden Öffentlichkeit über die Ausstellung vermittelt werden:
Die gehörlosen Mitarbeiter erhalten durch die Beteiligung am Projekt ebenfalls wichtige Impulse, da sie hier nicht mehr auf die Rolle als der Behinderten festgelegt sind, sondern in der Ausstellung den hörenden Besuchern überlegen sind. Somit drehen sich die Vorzeichen „behindert“ und „nicht behindert“. Dies bedeutet für die gehörlosen Beteiligten folgende Effekte: