
Schattensprache wurde kreiert von Dr. Andreas Heinecke. Er studierte Germanistik und Geschichte in Heidelberg und Frankfurt und promovierte zum Thema Judentum und Identität. Danach sammelte er viele Jahre Erfahrung als Journalist und Dokumentar. Er setzte sich dafür ein, Randgruppen in aktive soziale Strukturen zu integrieren und das Ansehen der mit ihrer Unterschiedlichkeit einhergehenden Fähigkeiten zu verbessern, die scheinbar der Grund für ihre Ausschließung sind.
Neben der Entwicklung von Ausstellungen wie Dialog im Dunkeln (→ www.dialog-im-dunkeln.de) und Schattensprache widmete Andreas Heinecke sich der Frage, wie der Informationsmangel kompensiert werden kann, mit dem sehbehinderte Menschen tagtäglich konfrontiert sind. Er entwickelte die erste elektronische Zeitung in Deutschland, brachte eine CD-Rom und eine Datenbank mit Arbeitshilfsmitteln heraus und initiierte mit Telesign einen Tele-Gebärdensprach-Dolmetsch-Service für Gehörlose. Seit 1986 ist Andreas Heinecke Geschäftsführer der CONSENS Ausstellungs GmbH mit Sitz in Hamburg, deren Arbeitsbereich die Entwicklung neuer Kommunikations- und Integrationsmodelle ist.
In Hamburg, wo Dialog im Dunkeln seit April 2000 erfolgreich läuft, verband er die Ausstellung mit einem Qualifikationstraining für arbeitslose und behinderte Menschen. Das Anliegen von CONSENS ist es, soziale Kreativität zu fördern und neue Wege zu finden, das soziale Bewusstsein für Themen wie Alter, Unbehagen in der Jugend zu erhöhen und die Lebensbedingungen behinderter, verarmter oder arbeitsloser Menschen zu verbessern. Andreas Heineckes Einsatz wurde von der amerikanischen Stiftung Ashoka international gewürdigt, die ihn als ersten Sozialunternehmer Westeuropas unter ihre Senior Fellows aufnahm.
Koautorin und Projektleiterin der Implementierung von Schattensprache in Rendsburg ist Orna Cohen, Kuratorin und Autorin bekannter Ausstellungen. Nachdem sie von einer breiten und vielfältigen Palette an Ausbildungsinhalten profitierte (Psychologie, Erziehungswissenschaften und Dramaturgie), wandte Orna Cohen sich dem Design und der Durchführung verschiedener Ausstellungen wie „Cité des enfants“, „Electricity, what’s behind the socket?“, „Desire of learning“ etc. in der über 5.000 Quadratmeter großen Ausstellungsfläche in der Cité des Sciences et de l’industrie in Paris zu. Sie ist in ihrem Element, wenn es darum geht, interaktive Systeme zu kreieren, die die Besucher in die Erfahrung der Ausstellung eintauchen lassen und dabei helfen, ihr Verständnis für die Welt um sie herum zu vergrößern.
In Paris inszenierten Orna Cohen und Andreas Heinecke Schattensprache in der Cité de Sciences et l’industrie als Installation zur Annäherung zwischen den Welten der Gehörlosen und der Hörenden. Im Jahr 2004 wurde Orna Cohen der „Chevalier de l’ordre des Arts et des Lettres“ von der französischen Regierung verliehen. Sie gründete 2005 ihr eigenes Unternehmen, das neuartige interaktive Ausstellungen mit sozialen und zwischenmenschlichen Inhalten anbietet, die die Besucher herausfordern, sich selbst und ihre Beziehungen zu anderen zu reflektieren (→ www.orna-co.com).
Dr. Ulrich Hase ist Jurist und Hörgeschädigtenpädagoge. Er promovierte in Erziehungswissenschaften. Seinen beruflichen Werdegang begann er bei der Hauptfürsorgestelle in Münster (Westfalen). 1983 wechselte er nach Rendsburg, wo er Leiter des Rehabilitationszentrums für Hörgeschädigte des Diakonischen Werkes Schleswig-Holstein wurde. Diese Tätigkeit übte Ulrich Hase bis zum Beginn seiner Hauptamtlichkeit als Landesbeauftragter für Menschen mit Behinderung am 1. April 1997 aus. Er ist nebenamtlich als Lehrbeauftragter im Hochschulbereich und in der Rehabilitation behinderter Menschen tätig.
Der zweifache Familienvater ist seit frühester Kindheit nahezu taub. In Gesprächen unter vier Augen und in Kleingruppen kommt er durch das Absehen von den Lippen, das Ausnutzen des Restgehörs und das Kombinieren von Sinnzusammenhängen gut zurecht. Schwierig wird es, wenn keine Rücksicht genommen wird oder wenn mehrere Personen anwesend sind. In Gruppensituationen wird Ulrich Hase, der auch die Gebärdensprache beherrscht, durch Gebärdensprach-Dolmetscherinnen oder -Dolmetscher unterstützt.
Seit nahezu 30 Jahren engagiert sich Ulrich Hase auf verschiedenen Ebenen der ehrenamtlichen Behindertenverbandsarbeit, insbesondere in Verbänden der Gehörlosen und Schwerhörigen. Er war bis 1999 Präsident des Deutschen Gehörlosen-Bundes und ist nun Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft der Hörgeschädigten-Selbsthilfe und arbeitet in vielen Fachverbänden.